GEGENWIND
    Bürgerinitiative     Oedingen-Cobbenrode

Stand der Dinge

Liebe Mitbürger/-innen!

Hier der Stand der Dinge und ein paar Zahlen, Daten und Fakten zum Windpark Herrscheid:

Die Firma ABO Wind plant östlich des Oedingerbergs die Errichtung von insgesamt 4 Windkraftanlagen, zwei werden sich im Grenzgebiet der Stadt Lennestadt befinden und zwei angrenzend im Bereich der Gemeinde Eslohe.

Die Windräder sind vom Typ GE 5,5-158 mit einer Nabenhöhe von 161 Metern und einem Rotordurchmesser von 158 Metern (Gesamthöhe 240 Meter). Die Windräder haben eine Nennleistung von 5,5 MW. Die genauen Standorte sind auf dem Lageplan gekennzeichnet. Auf der Internetseite von ABO Wind kann man bereits erste Informationen zum Windpark Herrscheid Lennestadt nachlesen.

Im Juni 2020 hat ABO Wind bereits für den Bereich Lennestadt einen Genehmigungsantrag beim Kreis Olpe gestellt. Dieser ist im Oktober vom Kreis Olpe für vollständig bescheinigt worden. ABO Wind hat hierzu ein Artenschutzgutachten, ein schalltechnisches Gutachten und ein Gutachten zum Schattenwurf eingereicht. Diese Gutachten können von interessierten Bürgern beim Kreis Olpe beantragt werden. Hierzu muss ein formloser Antrag auf Einsicht in Umweltinformationen gestellt werden.

Für die Bürger soll keine optische bedrängende Wirkung durch die Windräder entstehen. Von optischer Bedrängung spricht man bei einer Entfernung zu einem Windrad, die unter der dreifachen Gesamthöhe eines Windrades liegt. Bei den geplanten Windrädern wären dies 720 Meter. Außer acht gelassen wird aber bei diesem Punkt, dass die Windräder auf einem Gebirgszug liegen und die umliegenden Dörfer in den Tälern darunter. Würde man diesen Höhenunterschied noch hinzurechnen, würde mit Sicherheit eine optisch bedrängende Wirkung durch die Windräder entstehen.

Es ist ersichtlich, dass der Schattenwurf der Windräder bis nach Oedingen und Cobbenrode reicht. Teilweise wird der Grenzwert von 30 Minuten Schattenwurf am Tag, den ein Mensch hinnehmen muss und der ihn auch nicht stören bzw. krank machen soll, überschritten. Die Windräder müssen daher mit einer entsprechenden Abschaltautomatik versehen werden.

Laut dem Artenschutzgutachten sind drei Windenergieanlagen empfindliche Arten bei den Beobachtungen gefunden worden, der Rotmilan, der Schwarzstorch und die Waldschnepfe. Es sind aber nur vereinzelte Flugbewegungen des Rotmilans gesichtet worden und einen besetzten Schwarzstorchhorst gibt es auch nicht mehr. Für die Waldschnepfe soll eine Lebensraum-Optimierung stattfinden. Die artenschutzrechtlichen Daten wurden von einem Büro für Landschaftsplanung im Auftrag von ABO Wind erfasst und stammen aus dem Jahr 2016.

Die Stadt Lennestadt hat Anfang 2017 ein ornithologisches Gutachten und eine Artenschutzprüfung (ASP) im Zuge der Konzentrationsflächenplanung für Windenergieanlagen im Bereich der Stadt Lennestadt in Auftrag gegeben bei Herrn Prof. Dr. habil. Martin Kraft. Das Gutachten wurde im Februar 2018 vorgestellt. Es kommt zu folgendem Ergebnis: Der Standort Lennestadt ist ein Gebiet mit Dichtezentren von Brutvögeln wie Schwarzstorch, Wespenbussard, Rotmilan, Mäusebussard, Waldschnepfe, Feld- und Heidelerche, Baum- und Wiesenpieper. Es ist ein wichtiger Lebensraum für gefährdete Brut- und Gastvögel. Dieses Gutachten spielt aber nun offensichtlich für die Stadt Lennestadt keine Rolle mehr.

Für die geplanten Windräder auf Seite der Gemeinde Eslohe liegen beim Kreis Hochsauerland noch keine Anträge vor. Der Scoping-Termin war im September und hier wurde der Umfang der von ABO Wind einzureichenden Unterlagen festgelegt.

Somit wird auch hier der Genehmigungsantrag in den nächsten Wochen eingehen.

Mit Beschluss der Stadt Lennestadt vom 24.11.2020 wurde das Verfahren zur Änderung des rechtswirksamen Flächennutzungsplanes für den Bereich Brenschede / Oedingen eingeleitet. 

Die Grundstückseigentümer, auf deren Flächen die Windräder errichtet werden, haben sich bereits zu einem Flächenpool zusammengeschlossen. Laut Medienberichten und Anzeigen von Windkraftbetreibern z.B. im Landwirtschaftlichen Wochenblatt, in denen diese nach Flächen für die Errichtung von Windrädern suchen, werden pro Jahr zwischen 50.000 und 75.000 Euro pro Windrad an Pacht an die Flächeneigentümer gezahlt. Die Pacht variiert je nach Standort.

Die geplanten Windräder entstehen auf zurzeit forstwirtschaftlich genutzten Flächen (Nadelwald und Weihnachtsbaumkulturen). Für jedes Windrad werden enorme Flächen als Baufelder freigeräumt werden müssen (ca. 8000 m² pro Windrad). Es werden enorme Schneisen in die Natur / Wälder gebaut werden müssen. Die Zufahrtsstraßen müssen breit genug sein (mindestens 4,5 m), damit der Schwerlastverkehr, der z.B. für den Antransport der Rotorblätter notwendig ist und für die tausenden Fahrten von Betonmischern und Kieslastern, genug Platz hat und auch wenden kann. Ein Teil dieser Flächen wird nach dem Bau der Windräder zurückgebaut. Es muss aber zu jedem Windrad einen befestigten Schotterweg geben und um jedes Windrad herum bleibt eine Fläche von ca. 5000 m² erhalten, die von Baumbewuchs etc. frei zu halten ist.

Auf der Internetseite wirbt ABO Wind damit, dass der geplante Windpark Herrscheid Lennestadt so viel Strom produzieren würde wie rund 8.000 Haushalte verbrauchen.

Die umliegenden Dörfer haben vielleicht zusammengerechnet etwas mehr als 1000 Haushalte. Hierdurch wird deutlich, dass nicht nur durch den Bau der Windräder enorme Landschaftsbewegungen notwendig sind, sondern auch durch den Bau der benötigten Stromtrassen, egal ob diese dann unterirdisch verlaufen oder über unseren Köpfen in Form von Hochspannungsleitungen. Interessant ist hierbei auch, dass das Vorgänger-Modell zu den geplanten Windrädern, das Modell GE 4.8-158 laut Herstellerangaben für ca. 5000 Haushalte Strom produzieren kann. Auch dieses Modell hat eine Gesamthöhe von 240 Metern. Man kann davon ausgehen, die Windräder des neueren Typs, die also auch hier installiert werden sollen, noch mehr Haushalte mit Strom versorgen können. Wieso wirbt ABO Wind dann damit, dass mit 2 Windrädern 8000 Haushalte mit Strom versorgt werden können? Ist der Standort der Windräder vielleicht doch nicht so ideal? Werden sie ihre Nennleistung nie erreichen? Das neuste Modell, Die GE 6.0-164 (Gesamthöhe ca. 250 m) kann laut Herstellerangaben ca. 5800 Haushalte mit Strom versorgen.

Weiterhin wirbt ABO Wind damit, dass durch den Produzierten Ökostrom der 4 Windkraftanlagen ein jährlicher Ausstoß von mehr als 18.000 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden kann. Doch wieviel Kohlendioxid und sonstige Giftstoffe entstehen, bis so ein Windrad dann CO2 neutral Strom produziert, verrät ABO Wind nicht. Wieviel CO2 wird durch die ganzen LKW-Fahrten ausgestoßen, die für Transporte von Kies, Schotter etc. und nicht zuletzt dem Windrad notwendig sind?

Man muss hier auch bedenken, dass ein Windrad eine Lebensdauer von 20 Jahren hat und nach diesen 20 Jahren wieder abgebaut werden muss, inklusive der Fundamente, Waldwege und Stromtrassen. Hierfür sind wieder tausende LKW-Fahrten notwendig.

Laut Umweltbundesamt bringt der Rückbau der Windräder sehr große Probleme mit sich und es gibt im Prinzip keine Erfahrungen dafür. Durch den Rückbau der Windräder entstehen mehrere Millionen Tonnen Schrott und Reststoffe, die zum Teil hochgiftig sind und daher schwer zu entsorgen sind, wie z.B. Transformatorenöle, Hydraulik- und Kühlflüssigkeiten. Diese müssen aufwendig entsorgt oder recycelt werden. Besondere Probleme bereitet die Entsorgung von Rotorblättern. Diese bestehen aus faserverstärkten Kunststoffen und sind Sondermüll. Recyceln macht laut Experten keinen Sinn und Verbrennen geht nicht, denn dadurch würde Feinstaub entstehen, der die Umwelt inklusive Mensch und Tier massiv belasten würde.

Die Betreiber von Windkraftanlagen müssen für den Rückbau der Anlagen Rücklagen bilden. Diese sind aber oft nicht hoch genug, um den Rückbau zu finanzieren. So hat das Umweltbundesamt in einer Studie errechnet, dass für 2038 mit einer Lücke von rund 300 Millionen Euro zu rechnen ist. Es ist also fraglich, ob nach der Laufzeit die Windräder von der Betreiberfirma komplett zurück gebaut werden oder Reste der Windräder für immer in den Wäldern stehen bleiben oder vielleicht auch die Flächeneigentümer dann die Kosten für den restlichen Rückbau übernehmen müssen. 


31.03.2021 | Pressemitteilung

  

Offener Brief an den Vorsitzenden des Regionalrats Droege

 

Bürgerinitiativen fordern wegen Corona-Beschränkungen ihrer Grundrechte die Aussetzung der Auslegung des Entwurfs des Regionalplans für die Teilregion Südwestfalen

  

Die kürzlich wegen des Regionalplan-Entwurfs gemeinsam an die Öffentlichkeit herangetretenen Vertreter der örtlichen Anti-Windkraft-Bürgerinitiativen aus Olpe, Drolshagen, Wenden, Attendorn, Repetal, Frettertal, Heinsberg, Brachthausen, Albaum, Wirme, Oedingen, Cobbenrode, Saalhausen, Werntrop, Schmallenberg und aus dem benachbarten Wildenburger Land haben sich nun mit einem offenen Brief an den Vorsitzenden des Regionalrats in Arnsberg, den CDU-Politiker Hermann-Josef Droege aus Wilnsdorf, gewandt.

 

Bekanntlich ist in dem Regionalplanentwurf vorgesehen, in den drei Kreisen Bereiche für Windenergie (WEB) für über 1.300 Windräder bis zu jeweils 250 m Höhe darzustellen. Die Kommunen könnten dann aus rechtlichen Gründen gegen das Baurecht für die Windkolosse in den WEB nichts mehr ausrichten.

 

Der offene Brief ist von den beiden Sprechern der zusammengeschlossenen Bürgerinitiativen aus dem Kreis Olpe und Umgebung, Matthias Reißner aus Drolshagen und Frank Dubberke aus Kirchhundem, unterzeichnet. Darin verweisen die Bürgerinitiativen auf die massiven Beschränkungen der politischen Betätigung infolge der Pandemiebekämpfung. Die Windkraftgegner fordern deshalb die Aussetzung der ansonsten bereits am 30.06.2021 endenden Auslegungsfrist für den Regionalplanentwurf „Räumlicher Teilplan Märkischer Kreis, Kreis Olpe und Kreis Siegen-Wittgenstein“ und die Einleitung eines neuen Beteiligungsverfahrens für die Öffentlichkeit nach der Pandemie. Zumindest sei die Frist zu verlängern bis zur (allerdings überhaupt nicht absehbaren) Beendigung der Corona-Schutzmaßnahmen. 

„Die staatlich angeordneten Corona-Schutzmaßnahmen machen es uns als Bürgerinitiativen, die an der politischen Meinungsbildung mitwirken, nahezu unmöglich, die betroffene Bevölkerung über die sehr weitgreifenden Auswirkungen des Regionalplans zu unterrichten, darüber in Veranstaltungen öffentlich zu debattieren und adäquate politische Maßnahmen (Infostände, Demonstrationen, Haustürgespräche, Unterschriftensammlungen etc.) durchzuführen“, heißt es in dem offenen Brief. 

„Unsere Informationsveranstaltungen wurden vor Corona immer gut besucht. In die Stadthalle Olpe kamen ca. 600 Menschen“, erklärt Matthias Reißner. Daran sei jetzt, wo es darauf ankomme, die Menschen über die konkreten Pläne der Windkraftindustrie und ihrer Parteigänger im Regionalrat zu informieren, wegen Corona nicht zu denken. Dabei sei das Interesse daran riesig, betont Frank Dubberke. „Wir werden mit Anfragen besorgter Anwohner, was man dagegen tun kann, schon jetzt nahezu überrannt. Und sehr viele Menschen wissen noch gar nicht, was die Ausweisungen im Regionalplan für sie bedeuten.“ 

Angesichts des im Dezember des vergangenen Jahres nicht absehbaren Endes des Lockdowns hätte man seitens des Regionalrats überhaupt darauf verzichten müssen - so der offene Brief sinngemäß -, irgendeine Frist für Einwendungen zu dem Entwurf in Lauf zu setzen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!  „Es würde unser Vertrauen in den Rechtsstaat untergraben, wenn sich durch eine etwaige Ablehnung unserer Forderung der Eindruck verfestigt, dass das Land seine staatliche Planung unter Ausnutzung der von ihm selbst gelegentlich der Pandemiebekämpfung angeordneten Grundrechtseinschränkungen um jeden Preis formal ‚durchzubringen‘ beabsichtigt“, heißt es dazu in dem offenen Brief. Der Regionalrat mache den Plan angreifbar, wenn er darauf spekulieren sollte, dass die Betroffenen im Lockdown ihren Unmut über die planerische Vorstellung, aus unserer Landschaft einen gigantischen Industriepark zu machen, nicht so zahlreich wie unter normalen Bedingungen artikulieren können, fassen die beiden Sprecher der Windkraftgegner ihre Botschaft an den Regionalrats-Vorsitzenden Droege (CDU) zusammen.